Die Metapher von den "Rohdiamanten, die erst noch zu Brillanten geschliffen werden müssen", hat inzwischen die Runde gemacht und soll in mehrfacher Hinsicht veranschaulichen, wie es um die Weine Rumäniens gestellt ist. Noch müssen manche der ungeschliffenen Schätze erst gehoben werden, aber das Potential wird hoch eingeschätzt.
Nach den politischen Umwälzungen hat Rumänien nun wieder den Anschluß an die restliche Weinwelt gefunden. Es gibt eine Reihe westlich und fortschrittlich orientierter Unternehmen, die in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der "Protrade -Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (GTZ)" an der Weiterentwicklung der rumänischen Weinwirtschaft arbeiten. So wurden mit Unterstützung und Mithilfe aus dem Ausland inzwischen veraltete Anlagen, überholte Kellertechnik und Weinberge, in die lange Zeit nichts investiert worden war, erneuert um Voraussetzungen zu schaffen, für eine neue Zukunft.
Rumänien hatte nicht die besten Startbedingungen, um auf einem internationalen Markt in den Wettbewerb zu treten. Allen Widrigkeiten zum Trotz - Rumäniens Weinwirtschaft wagt den Schritt, um mit ihren Weinen eine interessante Nische zu besetzen - die der trockenen Weine aus Osteuropa.
Rumänische Weine werden immer noch nur mit süßen gehaltvollen, eher oxidativ ausgebauten Weinen assoziiert und ihr Image ist geprägt von süßen Kadarkas und Mädchentrauben. In vielen Bereichen herrschen zwar immer noch die einheimischen weißen und roten Rebsorten vor, sie ergeben jedoch je nach Anbauzone ganz unterschiedliche und charakteristische Weine, die man hierzulande kaum kennt. Autochthone Rebsorten, wie die Feteascas (Mädchentraube rot und weiß), die trocken ausgebaut werden, sind typisch in ihrer vollmundigen Art und auch sehr überzeugend.
Neben den Weinen aus heimischen Rebsorten haben rumänische Betriebe interessante, vielseitige trockene Weine aus modernen und internationalen Rebsorten zu bieten, die sich durchaus mit den internationalen Gewächsen anderer Länder messen können. Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Sauvignon Blanc und auch Pinot Gris werden schon seit Jahren kultiviert und mittlerweile auch mit Können und Finesse ausgebaut. In den insgesamt sieben Weinbauzonen entstehen vielfältige Weine, die sich nicht nur als preisliche, sondern auch als qualitative Alternative zu Gewächsen aus der traditionellen Weinwelt verstehen.
Deutschland ist mit einem Anteil von 55% der Gesamtexporte wichtigster Exportmarkt Rumäniens. Umgekehrt hat sich das osteuropäische Land auf Platz neun der deutschen Importstatistik vorgearbeitet. Das Potential wird jedoch viel größer eingeschätzt. Mit der weiteren Entwicklung in Rumänien, so schätzt man, wird sich auch die Exportkurve nach oben verschieben, wenn man sich auch bewußt ist darüber, daß der Erfolg den Rumänen nicht in den Schoß fallen wird. Es wird eine Zeit dauern, bis das süße Image von einem trockenen Qualitätsweinimage abgelöst wird.
Die Experten, die sich intensiv mit den Weinen und Produzenten Rumäniens beschäftigen, sind aber fest überzeugt, daß sich das Bild wandeln läßt. Auf der Pro Wein wird damit ein Anfang gemacht.
Rumäniens Weinberge findet man um die Zental-Karpaten herum gruppiert. Eines der Weinbauzentren ist die Hochebene Transsilvanien, auch "die Mosel Rumäniens" genannt, mit ihren Untergebieten Oradea, Bistrita, Alba Iulia, Tärnave. Man vermutet, daß hier die Urheimat des Silvaners liegt. Hier entstehen fruchtige, körperreiche Weine überwiegend aus Feteasca Alba (Weiße Mädchentraube), Feteasca Regala (königliche Mädchentraube), Pinot Gris, Spätburgunder und Traminer.
In der westlich gelegenen Weinbauzone Banat , wo auch die Weinbauforschungsstation Minis ihren Sitz hat, werden neben den überwiegend heimischen weiße Rebsorten, die meist einen leichten Wein ergeben, oder dem traditionellen Kadarka, auch internationale Rebsorten, wie Merlot, Cabernet Sauvignon und kultiviert.
In den Südausläufern der Karpaten liegen die bekanntesten rumänischen Weinanbaugebiete, Dragasano, Simburesti und Stefanesti. Hier sorgen die Donau und der Fluß Olt für günstige Kleinklimata, die den Anbau von Sauvignon, Welschriesling, Cabernet und Pinot Noir begünstigen. Während in Dragasani sowohl restsüße als auch trockene Weine vinifiziert werden, entstehen in Simburesti und Stefanesti besonders kräftige trockene Rotweine.
Im Moldaugebiet zwischen den Ostkarpaten und dem Fluß Pruth findet man drei Weinanbaugebiete Rumäniens. Odobesti mit der berühmten Einzellage Sarba gilt als das größte geschlossene Weinbauareal des Landes. Seine Weine (Feteasca neagra, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon) sind bekannt für ihr Feuer und ihre Kraft. Dagegen ist das Gebiet Iasi vor allem für leichtere Weißweine bekannt. Das Gebiet Cotnari war auch namensgebend für die gleichnamige Kellerei, die mit überwiegend einheimischen Rebsorten (Tamiloasa Romanesca, Feteasca und Grasca) überzeugende und auch international anerkannte Qualitäten produziert.
Das jüngste Weinbaugebiet, Dobrogea, entstand in seiner heutigen Ausdehnung erst nach dem zweiten Weltkrieg. Damals nahm das Weingut Murfatlar am Schwarzen Meer als Staatsweingut und Forschungsanstalt eine zentrale Position ein. Noch heute bietet das Gebiet eine spannende Vielfalt aromatischer köperreicher Weine, oft als Dessertweine auf dem Markt, mit hoher Restsüße und einem typischen, an Johannisbeeren erinnernden Bukett.
Rumänien verfügt derzeit über insgesamt sieben Weinbauzonen, die in verschiedene Weinbaugebiete mit geographisch begrenzten Bereichen, die sogenannten "Weinberge" unterteilt sind. Die Bestimmungen sehen die Klassifizierungen DOC (Weine mit Ursprungsbezeichnung) und DOCC (Weine mit Ursprungsbezeichnung und Qualitätsstufen) vor , die je nach Herkunftsgebiet definiert werden.
Unter den 164 Weinunternehmen befinden sich staatliche, teilweise oder ganz privatisierte und einige genossenschaftlich organisierte Betriebe. Private Weingüter gibt es im Rumänien (noch) nicht. Mehr als 80% der Weinbergsfläche ist derzeit privatisiert, wobei die neuen Eigentümer meist kleine Rebflächen (bis zu 3 ha) besitzen. Mit dem Jahrgang 1996 ernteten die rumänischen Weinbaubetriebe insgesamt 6,4 Mill. Liter.