Siebenbürgen, 23.August 1995 - 7.September 1995


Geographie

Rumänien liegt im äußersten Südosten Europas und ist fast so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Die Grenzen Rumäniens sind insgesamt 3153 km lang: 1330 km mit der Ukraine und Moldawien, 442 km mit Ungarn, 546 km mit Serbien, 590 km mit Bulgarien. Die größten Städte sind Bukarest (2.2 Mio Ew.), Brasov (366.000 Ew.), Constanta (332.000 Ew.), Timisoara (330.000 Ew.), Iasi (315.000 Ew.) und Cluj (315.000 Ew.).

Die Landschaft Rumäniens unterteilt sich ziemlich genau zu je einem Drittel in Ebenen, Gebirge und Hügelland. Zentral beherrscht wird das Land von den Karpaten, deren höchster Gipfel, der Moldaveanu in den Südkarpaten, 2550 Meter erreicht. Sie durchqueren Rumänien in einem Bogen und enden an der Donau. Dieser wichtigste Wasserlauf Rumäniens trennt die Karpaten vom Balkan. Sie legt 1075 km als Grenzfluß zu Bulgarien zurück und ca. 200 km nur auf rumänischem Gebiet, um dann in einem einzigartigen Delta ins Schwarze Meer zu münden. Die meisten Flüsse Rumäniens entspringen in den Karpaten und münden in der Donau. Die Küste des Schwarzen Meeres hat eine Länge von 245 km.

In Rumänien herrscht ein gemäßigtes Kontinentalklima. Sommer und Winter sind extremer ausgeprägt als in Westeuropa. Die Sommer werden sehr heiß und trocken, was manchmal Wasserprobleme verursacht. Die Winter warten mit klirrender, trockener Kälte und starken Schneefällen auf. In Siebenbürgen und am Schwarzen Meer sind die extremen Temperatursätze etwas gemildert. Das Schwarze Meer hat nur geringen Einfluß auf das Klima Rumäniens. Die Sommermittelwerte an der Küste betragen ca. 23 Grad, im Gebirge ca. 15 Grad. Die Mittelwerte im Winter liegen an der Küste bei 8 Grad und im Gebirge bei -7 Grad. Die regenreichste Zeit sind die Monate Mai und Juni.

Zum heutigen Rumänien gehören im Nordwesten Siebenbürgen, das von den Karpaten eingegrenzt wird, im Nordosten jenseits der Karpaten an der Grenze zu Moldawien die Moldau, im Südosten am Schwarzen Meer die Dombrudscha, im Süden mit der Hauptstadt Bukarest die Walachei und im Westen zwischen Siebenbürgen und Walachei der rumänische Teil des Banat.

Die Gesamtbevölkerung Rumäniens beträgt momentan etwas über 23 Millionen Menschen. Davon leben ca. 50% auf dem Lande, der Rest in den Städten. Als Minderheiten leben in Rumänien Ungarn, Deutsche, Serben, Bulgaren, Juden, Roma, Türken, Ukrainer, Lipovaner, Kroaten, Tataren, Szekler, Tschango-Magyaren, Griechen, Armenier, Slowaken, Polen, Tschechen und Gagausen. Alle zusammen machen etwa 15% aus.


Geschichte

Die Entstehungsgeschichte des rumänischen Volkes liegt im Dunkel und ist auch heute noch in der Wissenschaft umstritten. Sind die Rumänen nun Nachkommen der Römer beziehungsweise der romanisierten Bevölkerung der rumänischen Provinz Dacia? So möchten es rumänische Nationalisten seit jeher gerne haben. Oder ist das rumänische Volk hervorgegangen aus einer innerbalkanischen Bevölkerung romanisierter Berghirten, die erst vom 11. Jahrhundert an nach Norden über die Donau vordrangen? Manches spricht für die zweite These.

Die zum thrakischen Zweig der Indogermanen gehörenden Geten, die zwischen den Karpaten und dem Balkangebirge an beiden Ufern der unteren Donau siedelten, wurden bereits im 5. Jahrhundert v.Chr. von Herodot erwähnt. Später standen sie unter dem Druck der ebenfalls thrakischen Daker, die nördlich der Karpaten im heutigen Siebenbürgen wohnten, und der Skythen aus dem heutigen Südrußland. Seit 100 v.Chr. entstand ein Dakerreich, das die meisten Gebiete der Geten mit umfaßte. Dezebal, König der Daker, schlug zuerst die Römer, wurde dann aber von Kaiser Trajan in zwei Kriegen (101-106 n.Chr.) besiegt. Die Walachei, die südliche Moldau und Siebenbürgen wurden erobert und als römische Provinz Dacia in das Imperium eingegliedert. Trajan begann, die durch die Kriegsereignisse teilweise menschenleer gewordenen Gebiete neu zu besiedeln. So kamen Einwanderer aus Pannonien, Dalmatien und Syrien ins Land. In den 169 Jahren römischer Herrschaft entwickelte sich Dakien zu einem osteuropäischen Zentrum römisch-lateinischer Kultur und Zivilisation. In den Jahren 258-271 n.Chr. zogen sich die Römer unter dem Druck der Goten auf das südliche Donauufer zurück.

Die nächsten Jahrhunderte waren geprägt durch immer neue Völkerwellen, die aus dem Osten über das Land hinwegzogen. Unter ihnen waren die Goten und Hunnen wohl die bekanntesten Vertreter. Seit Ende es 6. und im 7. Jahrhundert wanderten die Slawen ein, blieben zu einem erheblichen Teil im Land und verschmolzen mit der dako-romanischen Restbevölkerung. Im 6.-8. Jahrhundert drangen tartarische Reitervölker in das Land ein. Die dako-romanische Bevölkerung geriet entweder unter deren Herrschaft oder floh vor ihnen in unzugängliche Gebiete. Die im Jahre 895 über die Karpaten eingedrungenen westasiatischen Madjaren (Ungarn) wurden Ende des 10. Jahrhunderts in mittleren Donaubecken seßhaft, eroberten Siebenbürgen und zerstörten die kleinen Fürstentümer.

Seit 996 kamen deutsche Siedler aus Bayern in das heutige Rumänien. Ihnen folgten auf Ruf des ungarischen Königs Geza II. (1141-1161) Deutsche aus Flandern, Luxemburg, der Moselgegend und dem Niederrhein. Sie sollten die Südgrenze sichern und das Land urbar machen. Die beiden Siedlungsschwerpunkte waren Hermannstadt (das heutige Sibiu) und Bistritz (Bistrita). Für diese Deutschen bürgerte sich die Bezeichnung "Siebenbürger Sachsen" ein (die Ungarn waren von den Sachsenkaisern besiegt worden und übertrugen diese Bezeichnung wohl nun auf alle Deutschen).

Als besonderen Schutz gegen die turktartarischen Kumanen und zu deren Bekehrung zum katholischen Christentum holte der Ungarnkönig Andreas II. im Jahr 1211 den Deutschen Ritterorden ins Land und übergab ihm die Grenzwacht an der Südoststrecke der Karpaten, im Burzenland. Der Ritterorden baute mehrere Burgen, darunter die Ur-Marienburg (jetzt Feldioara), sowie deutsche Gemeinden (darunter Kronstadt, heute Brasov). Auch östlich der Karpaten wurden Burgen errichtet, wie z.B. die Burg Neamt (neamt bedeutet deutsch).

1222 wurden erstmalig "Wlachen" (Walachen, Rumänen) urkundlich erwähnt. Die ersten Staatsbildungen auf dem Boden des heutigen Rumänien erfolgten erst unter Basarab (1310-1352) in der Walachei und unter Bogdan (1359-1365) in der Moldau. Die jeweiligen Wojwodschaften schlossen sich zu einem Fürstentum zusammen. Die zwei Fürstentümer standen zeitweilig unter ungarischer Oberhoheit. Seit 1350 war die Hauptaufgabe der beiden jungen Staaten der Widerstand gegen die Türken, denen es gelang bis Ende des 14. Jahrhunderts die ganze Balkanhalbinsel zu besetzen. So mußte auch die Walachei unter Fürst Mircea I. dem Alten (1396) und Fürst Vlad Tepes dem Pfähler (1460) die Oberhoheit der Türken anerkennen. Die Moldau hingegen konnte sich nach Siegen des ungarischen Feldherrn Johann Hunyadi (1456) und Stefan des Großen, des glanzvollen Fürsten der Moldau (1475), dem türkischen Druck entziehen. Die Kapitulation erfolgte erst im Jahre 1513. Die Kapitulationen sicherten allerdings beiden rumänischen Staaten innere Autonomie zu, so daß die Moldau unter Stefan dem Großen und seinem Sohn Petru Rares kurze Blütezeiten erlebte. Die freskenverzierten Klosterkirchen der Moldau sind ein Zeugnis dieser Epoche.

Besonders die Walachei hatte als Aufmarschraum gegen Ungarn unter den Türken zu leiden. Die Rumänen beider Fürstentümer befanden sich in ständigem Abwehrkampf gegen die Türken, bauten Festungen und befestigten ihre Klöster und Kirchen. Mit Ausnahme des Jahres 1599, in dem der Fürst der Walachei, Michael der Tapfere, kurzzeitig die Moldau, Siebenbürgen und die Walachei vereinigte, gingen die Türken allerdings als Sieger hervor.

In der Zeit der walachischen Fürsten Matei Basarab (1633-1654), Serban Cantacuzino (1678-1688) und Constantin Brancoveanu (1688-1714) sowie des moldauischen Fürsten Vasile Lupu (1634-1653) gelangten Wirtschaft und Kultur zu hoher Blüte. In dieser Periode wurde z.B. das erste Buch in rumänischer Literatursprache, die Bukarester Bibel (1688), gedruckt.

Die walachischen Fürsten Constantin Brancoveanu und Stefan Cantacuzino wurden von den Türken hingerichtet, um die rumänischen Unabhängigkeitsbetrebungen zu vernichten. Dann verkauften bzw. verpachteten die Türken 1711 die Moldau und 1716 die Walachei an christliche Griechen, die die Staaten ausbeuteten. Der geistige bzw. politische Verfall war somit vorprogrammiert.

Als die Türken schrittweise aus Südosteuropa zurückgedrängt wurden, gerieten die Moldau und die Walachei in das Spannungsfeld zwischen Österreich und Rußland. Beide Staaten wurden mehrere Male besetzt und zerstückelt. So wurde die Bukowina 1777 an Österreich und Bessarabien 1812 von an Rußland abgetreten. Beide Fürstentümer wurden 1829 durch den Frieden von Adrianopel rechtlich unter russisches Protektorat gestellt.

Kaiser Karl VI., seine Tochte Maria Theresia und sein Enkel Josef II. besiedelten durch drei Schwabenzüge von 1722 bis 1782 die während der Türkenzeit fast entvölkerten Landstriche mit Deutschen aus Südwestdeutschland und Elsaß-Lothringen, die später "Banater Schwaben" genannt wurden. Diese Gruppe war neben den Siebenbürger Sachsen die zweite große Gruppe der heutigen deutschen Minderheit in Rumänien.

Die bürgerlich-demokratische Revolution von 1848 wurde von türkischen und russischen Truppen niedergeschlagen. Die Russen marschierten zu Beginn des Krimkrieges (1853) in die Donaufürstentümer ein, zogen dann aber ab, worauf die Österreicher 1854 und 1857 die Länder besetzten. Der den Krimkrieg beschließende Pariser Vertrag von 1856 beendete auch die Leidensgeschichte der Fürstentümer, anerkannte ihre Autonomie, hob das russische Protektorat auf und stellte sie unter den Schutz der sieben Garantiemächte. 1861 wurden dann die beiden Bruderländer vereinigt, der neue Staat nannte sich ab 1862 Fürstentum Rumänien.

Als die Ungarn 1848/49 gegen die österreichische Herrschaft die Waffen erhoben, traten die Rumänen Siebenbürgens, die von den Ungarn unterdrückt wurden, auf die Seite Österreichs, um mehr Selbständigkeit im Habsburgerreich für sich zu erringen. Allerdings opferte Kaiser Franz Josef 1867 die Rumänen den Ungarn, die anfingen, diese Völker zu madjarisieren.

1866 wurde Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen als Carol I. durch eine Volksabstimmung zum erblichen Fürsten gewählt. Ihm gelang es, Rumänien an Mittel- und Westeuropa anzuschließen. Im russich-türkischen Krieg von 1877/78 griff Carol I. entscheidend zugunsten der Russen ein. Am 9.Mai 1877 rief er die staatliche Unabhängigkeit Rumäniens aus. Diese wurde auf dem Berliner Kongreß 1878 anerkannt. Allerdings mußte es das südliche Bessarabien an Rußland abtreten und erhielt dafür die nördliche Dombrudscha. Zu den stets bestehenden inneren Spannungen kamen äußere hinzu: Rumänien grollte Rußland wegen der erzwungenen Abtretung Bessarabiens, Österreich wegen der Herrschaft über die Bukowina, Ungarn wegen der Unterdrückung der rumänischen Bauern und Griechenland wegen der abgewiesenen Schutzrechte über die Walachen in Mazedonien. Bulgarien wiederum verübelte Rumänien die Herrschaft über die nördliche Dombrudscha.

1881 wurde Carol I. zum König proklamiert und schloß Rumänien durch einen Geheimvertrag an den Dreibund Deutschland/Österreich-Ungarn/Italien an. Während sich Rumänien im 1. Balkankrieg 1912 abseits hielt, besetzte es bei seinem Eingreifen in den 2. Balkankrieg 1913 die Süddombrudscha, die ihm im Vertrag von Bukarest zugesprochen wurde, obwohl es dort kaum Rumänen gab.

Im ersten Weltkrieg verhielt sich Rumänien am Anfang neutral. Nach dem Tod Carol I. allerdings schlug sich sein Nachfolger und Neffe Ferdinand I. auf die Seite der Allierten. Nachdem diese ihm das Banat, Siebenbürgen, die ungarische Tiefebene bis zur Theiß und die Bukowina versprochen hatten, erklärte Rumänien den Krieg an Österreich-Ungarn. Nach der Niederlage der Mittelmächte konnte Rumänien also die versprochenen Gebiete annektieren. Es wurde nun ein Staat mit 17 Millionen Menschen und mehr als doppeltem Flächeninhalt. Mehr als ein Viertel seiner Bevölkerung waren keine Rumänen.

Im neuen Großrumänien lebten 805000 Deutsche. Es war außenpolitisch Mitglied der kleinen Entente, der auch die Tschechoslowakei und Jugoslawien angehörten, mit Polen verbündet und an Frankreich angelehnt. 1930 bestieg Kronprinz Carol II. nach einem kurzen innenpolitischen Intermezzo und dem Tod von Ferdinand I. den Thron. Er errichtete im Februar 1938 durch eine autoritäre Verfassung eine Königsdiktatur.

Außenpolitisch verschlechterte sich die Stellung Rumäniens nach dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 und durch die Niederlage Frankreichs im Juli 1940. Die britsch-französische Garantie im April 1939 für Rumänien war wertlos und so erhielt die rumänische Regierung Ende Juni 1940 von der Sowjetunion das Ultimatum, Bessarabien und die Nordbukowina abzutreten. Dabei hatte die Bukowina noch nie zu Rußland gehört. Durch ein Abkommen der Achsenmächte Deutschland und Rumänien fiel im August 1940 Nordsiebenbürgen an Ungarn und die Süddombrudscha an Bulgarien. General Antonescu zwang Carol II. zum Rücktritt, bildete eine Regierung und trat dem Dreimächtepakt bei. Dafür garantierte das Deutsche Reich Rumäniens Grenzen. Der Sohn Carol II., Michael I. bestieg den Thron. 1941 machte sich Antonescu selbst zum Staatschef, zum "Conducator" (Führer), und errichtete eine Militärdiktatur. Dann beteiligte sich Rumänien am Kampf gegen die Sowjetunion, eroberte die Nordbukowina und Bessarabien zurück und nahm das sowjetische Gebiet zwischen Dnjestr und Bug in Besitz, das als "Transnistrien" zur rumänischen Provinz erklärt wurde.

Nach schweren Verlusten der rumänischen Armeen, nach der Niederlage bei Stalingrad und nach dem Vordringen der Sowjets über Bessarabien bis in die Moldau stürzte König Michael 1944 durch einen Staatsstreich seiner Generäle den Marschall Antonescu und ließ im September des Jahres den Waffenstillstand mit Moskau schließen. Die sowjetisch-rumänischen Zwangsgrenzen von 1940 wurden wiederhergestellt. Nun erklärte Rumänien dem Deutschen Reich den Krieg und nahm unter großen Blutopfern an den Kampfhandlungen gegen das Deutsche Reich teil.

1945 erzwangen die Sowjets die Einsetzung einer kommunistischen Regierung. Erst danach wurde Nordsiebenbürgen an Rumänien zurückgegeben. König Michael mußte abdanken. Die neue "Rumänische Volksrepublik" gab sich 1948 eine Verfassung nach sowjetischen Muster. Die aus der Kommunistischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei entstandene Rumänische Arbeiterpartei (RAP) übernahm die politische Führung. Innerhalb der Partei setzte sich Gheorghiu-Dej gegen seine Konkurrenten durch, wurde bis 1955 Ministerpräsident und dann bis zu seinem Tod Staatsratsvorsitzender, d.h. Staatsoberhaupt.

Die Bodenreform von 1945 enteignete den Grundbesitz und die Häuser der Deutschen unter dem Vorwand, sie seien Faschisten und Vaterlandsverräter gewesen. Viele der Deutschen im arbeitsfähigen Alter wurden in die Sowjetunion verschleppt und unter unmenschlichen Bedingungen gezwungen, dort zu leben. Erst viele Jahre später durften sie zurückkehren oder wurden von der Bundesrepublik freigekauft, d.h. sie durften gegen eine hohe Summe Devisen nach Deutschland ausreisen. Im Jahr 1948 erfolgte die Verstaatlichung der wichtigsten Produktionsmittel, und so entstanden nach dem Vorbild der Sowjetunion Kolchosen, Maschinen- und Traktorstationen sowie Staatsgüter.

Rumänien wurde durch die Sowjetunion wirtschaftlich ausgebeutet, und dies zusätzlich zu den Reparationslieferungen. Die Erfüllungspolitik Bukarests gegenüber Moskau in den fünfziger Jahren belastete das Land bis an die Grenze des Möglichen. 1955 trat Rumänien dem Warschauer Pakt bei, 1958 verließen die sowjetischen Truppen das Land.

Im Gegensatz zu den Plänen der COMECON, die Rumänien die Rolle eines Lieferanten von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen zugedacht hatte, begann die Regierung 1960 mit dem Ausbau einer eigenen Schwerindustrie. Firmen aus der Bundesrepublik bauten Hütten- und Chemiekombinate. In verhältnismäßig kurzer Zeit wuchs Rumänien, gestützt auf seine reichen Bodenschätze (Öl, Kohle, Erze), zu einem Land mit einer starken, in ständiger Entwicklung begriffenen Industrie.

Nach der Zwischenverfassung von 1952 verabschiedete die Große Nationalversammlung im Jahr 1965 eine neue Verfassung, durch die der Staatsname in "Sozialistische Republik Rumänien" umgewandelt wurde. Die "Aprildeklaration" des Zentralkomitees der RAP von 1964 proklamierte den neutralen Kurs innerhalb des kommunistischen Lagers. Sie wurde als Unabhängigkeitserklärung Rumäniens bezeichnet, denn sie lehnte jegliche sowjetische Bevormundung ab. Chruschtschow versuchte im Herbst 1963 vergeblich, Gheorghiu-Dej zu stürzen. Ebenfalls 1963 beseitigte Gheorghiu-Dej den kulturellen Einfluß der Sowjetunion, indem er Russisch als Pflichtfach an den Schulen und Universitäten abschaffte und das Maxim-Gorki-Institut in Bukarest auflöste.

Nach dem Tod Gheorghiu-Dejs 1965 wurde Nicolae Ceausescu Erster Sekretär der Partei und 1967 auch Staatsratsvorsitzender. Seit 1974 hat er zusätzlich den Titel "Präsident der Sozialistischen Republik Rumänien". Innenpolitisch einen harten unnachgiebigen Kurs steuernd, erreichte er außenpolitisch eine gewisse Selbständigkeit im Ostblock, wobei er den ideologischen und machtpolitischen Streit zwischen der Sowjetunion und China ausnutzte. 1967 nahm Rumänien als erster Ostblockstaat nach der Sowjetunion unter Protest der DDR diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf. Durch eine Kette von Aktionen und Äußerungen zur Außenpolitik, die quer zur sowjetischen Linie lagen, machte sich Ceausescu im westlichen Ausland beliebt. Er verurteilte die Einmärsche in Prag und Afghanistan und nahm trotz Ostblock-Boykott an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles teil.

Innenpolitisch erreichte Ceausescu in den 24 Jahren seiner Herrschaft eine Schreckensherrschaft, die selbst im stalinistischen Ostblock ihresgleichen sucht. Gestützt wurde sie durch seine Geheimpolizei, die Securitate. Mißliebige Personen verschwanden in psychiatrischen Anstalten oder wurden umgebracht, Paranoia machte sich breit, jeder fühlte sich von jedem bespitzelt. Obendrein versank das Land in den achziger Jahren durch die größenwahnsinnigen Projekte des Diktators und seiner Wirtschaftspolitik, die nur auf Schuldenabbau ausgerichtet war, in Hunger und Elend.

Der rumänische Nationalismus unter Ceausescu wurde übertrieben. Die Minderheiten wurden immer weniger berücksichtigt. In den ersten Nachkriegsjahren hatten die Kommunisten den nichtrumänischen Nationalitäten große Aufmerksamkeit gewidmet und ihnen weitgehende Kulturautonomie zugestanden. Nun aber engten die Rumänen den Spielraum der Minderheiten immer mehr ein.

Im Dezember 1989, dem Jahr der Umwälzungen in Osteuropa, war auch Ceausescus Zeit abgelaufen. Am 16.12.1989 kam es zu einem Massenaufstand in Timisoara, bei dem viele Menschen getötet und verhaftet wurden. Bukarest wurde am 21.12. von dem Aufstand erreicht. Securitate und Miliz schossen in die Menge. Kurz darauf wurde das Ehepaar Ceausescu verhaftet und in einem Schnellprozeß zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde sofort vollstreckt.

Inzwischen hatte sich eine "Front zur Nationalen Rettung" gebildet, Mitglieder sind zunächst Offiziere, Interlektuelle und kommunistische Ceausescugegener. Ion Iliescu, ehemaliges ZK-Mitglied, wurde zum Präsidenten ernannt. So finden im Mai 1990 freie Wahlen statt, Rumänien erhält im Dezember 1991 eine neue Verfassung und wird im Oktober 1993 trotz Bedenken wegen der Menschenrechte als Vollmitglied in den Europarat aufgenommen.

Für die Deutschen in Rumänien bot sich nach dem Umbruch die Chance, in die Bundesrepublik auszureisen. Die meisten folgten dem Ruf Gentschers, der den Rumänien-Deutschen einen Platz in der Bundesrepublik anbot. Heute leben vielleicht noch 20000-30000 in Rumänien, meist alte Leute oder Deutsche, die eine Mischehe eingegangen sind.


Reisetips

Reisende benötigen für die Einreise nach Rumänien ein Visum, das 1995 50,- DM kostete. Man bekommt es problemlos an der Grenze oder kann es bei der rumänischen Botschaft, Legionsweg 14, 53117 Bonn formlos beantragen.

Bei der Einreise mit dem Auto sind die Grenzübergänge wichtig. Man sollte den Übergang Nadlac meiden. Hier scheint der Transitverkehr durchzugehen. Varsand bietet einen kleinen Übergang, der allerdings langsam in der Abfertigung ist. Wir benötigten 1 Stunde, um bei ihm einzureisen. Unsere Ausreise erfolgte in Bors, einem großen und unkomplizierten Übergang, in dem man schnell hinüberkommt, wenn man nicht - wie wir - einer Fahrzeugkontrolle unterzogen wird.

Bei der Einreise erhält man ein Formular, das in einen Einreise- und einen Ausreiseabschnitt unterteilt ist. Den ersten Teil muß man ausfüllen und bei der Einreise abgeben. Den zweiten Teil füllt man während der Fahrt aus und gibt ihn dann ebenfalls ausgefüllt bei der Ausreise ab.

Einen bisher üblichen 200%igen Zoll auf den Tank mußten wir nicht zahlen.

Für eine Deutsche Mark erhält man 1400 Rumänische Lei (Einzahl Leu). Es ist dringend davon abzuraten, außerhalb von Banken und Wechselstuben zu tauschen, weil man eher einen schlechteren als einen besseren Kurs erhält. Außerhalb Rumäniens ist es schwer möglich, Lei umzutauschen. Uns ist es zu einem schlechten Kurs nahe der ungarisch-rumänischen Grenze gelungen.

Die Preise sind sehr gering. Man zahlt von 20% der deutschen Preise für einheimische Waren bis zu 100% für importierte Westwaren. Im Dorf gibt es nur eine beschränkte Auswahl, in den größeren Städten gibt es meist ein Kaufhaus, das alles gewöhnliche bietet.

Die rumänischen Straßen sind nicht die besten, aber bei reger Bautätigkeit meist befahrbar. Sehr kleine Straßen sind zu meiden, da sie häufig in einer Sand- und Schotterpiste enden können. Bei vielen Pferdegespannen und langsamen LKWs sollte man nicht erwarten, mehr als 50 km/h zu schaffen. Bodenwellen und Schlaglöcher sind an der Tagesordnung. Im dunklen sollte man von der Straße verschwunden sein.

Der Preis für Diesel liegt pro Liter bei ca. 430 Lei, Super 600 Lei und Super Bleifrei 650 Lei. Bleifrei ist nicht an jeder Tankstelle zu bekommen, allerdings erfolgt die Versorgung nahezu flächendeckend.

Ausländer werden schnell von Rumänen erkannt und zahlen für Eintritte oder Übernachtungen häufig bis zu fünffache Preise.

Sucht man in einem siebenbürgischen Dorf etwas, so halte man die Augen offen und man findet schnell einen deutschen Einwohner, der einem weiterhelfen kann. So passiert es häufig, daß der Schlüssel von Kirchenburgen bei irgendeinem Gemeindemitglied hängt und man sich durch das Dorf fragen muß, wenn man in die Kirchenburg möchte.

Auf dieselbe Weise gelangt man an Unterkünfte. In der Region um Mediasch (Medias) gibt es in vielen alten Pfarrhäusern neu eingerichtete Herbergen, die alles bieten, was man zum Leben braucht. Gibt es diese nicht, so wird man sicherlich eine Möglichkeit sehen, eine Unterkunft in einem leeren sächsischen Haus herzurichten. Die Übernachtung kostet in einer Herberge zwischen 3,- DM (Cirta, Kerz) und 12.50 DM (Birthälm, Biertan).


Reiseziele

Die Siebenbürgischen Wehrkirchen

In der Region der Siebenbürger Sachsen fallen zwei Dinge auf. Das eine sind die markanten sächsischen Häuschen, das andere die zu mächtigen Bollwerken befestigten Wehrkirchen. Die schönsten seien hier aufgeführt.


BIRTHAELM (Biertan): Bischofssitz, drei mächtige, mit gewaltigen Strebpfeilern bewehrte Ringmauern, 6 Wehrtürme, Herberge in der Kirchenburg

DEUTSCHWEISSKIRCH (Viscri): Sehr schöne Wehrkirche mit doppelter Wehrmauer, 1494 erbaut, Schlüssel und mögliche Unterkunft bei Frau Sara Dootz, Haus 141, bei der auch ein kleines Heimatmuseum begutachtet werden kann.


HAMRUDEN (Homorod): Einfache Wehrkirche mit hoher Mauer, Schlüssel bei Herrn Thomei, Haus 341

HELTAU (Cisnadie): Wehrkirche aus dem 13. Jh mit dreifacher Mauer, hölzerner überdachter Wehrgang des inneren Ringes

HENNDORF (Bradeni): Charakteristische Wehrkirche aus dem 15. Jh., Turm mit Stollentruhen erhalten

HONIGBERG (Horman): Gut erhaltene Wehrkirche mit Zugbrücke, zweifache mächtigen Wehrmauern und Wohnkammern in der Befestigungsanlage aus dem 15. Jh.

MALMKROG (Malincrav): Schöne auf einer Anhöhe erbaute Wehrkirche aus dem 14. Jh., Piste bis zum Dorf

TARTLAU (Prejmer): Gut erhaltene Wehrkirche mit Zugbrücke, dreifache mächtigen Wehrmauern und Wohnkammern in der Befestigungsanlage aus dem 15. Jh., wird momentan zum Museum ausgebaut


TRAPPOLD (Apold): Wehrkirche mit zwei Specktürmen, 1504 erbaut, zweifache Mauer

Die Siebenbürgischen Städte


SCHÄSSBURG (Sighisoara) hat die wohl schönste mittelaterliche Altstadt, die allerdings geisterhaft wirkt, weil nur wenige dort wohnen und Touristen in Rumänien nicht immer zur Tagesordnung gehören. Wenn man allerdings Touristen findet, dann hier.


KRONSTADT (Brasov) hat außer dem schönen Rathausplatz und dessen Umgebung mit der schwarzen Kirche nur wenig alte Architektur zu bieten.


HERMANNSTADT (Sibiu) hat ebenfalls einen schönen Rathausplatz, an dem auch das sehenswerte Brukenthalmuseum steht. Wenn man bummeln möchte, dann in dieser Stadt.

Burg Bran


Wer nach Transsilvanien kommt, möchte natürlich auch einmal die Burg sehen, die mit Vlad Tepes in Verbindung gebracht wird. Sie liegt sehr schön leicht erhöht, wird momentan renoviert und ist als Museum ausgebaut. Das Museum allerdings ist nicht sehenswert. Die Burg ist zwar schön verwinkelt angelegt, ist aber in jeder Hinsicht nicht authentisch und beinhaltet keine interessanten Ausstellungsstücke. So kann man sich bei der Besichtigung auf das Zollhäuschen und die alten Bauernhäuser beschränken, aber ob das 4000 Lei (Einheimische 800 Lei!) wert ist, ist zu bezweifeln.

Das Fogarasch-Gebirge (Fagaras)

Wer gerne im Gebirge herumklettert, den sei das Fogarasch-Gebirge empfohlen. Die sogenannten Transsilvanischen Alpen sind bis zu 2544 m hoch und bieten vom leichten Wandern bis zum Klettern vieles. Allerdings muß man sich darüber im Klaren sein, daß hier die Wetterfront der heißen Walachei und dem gemäßigten Siebenbürgen verläuft. Zu unserer Zeit (Anfang September) war gerade der erste Neuschnee gefallen, so daß es ab 2000 m Höhe schwer wurde, zu wandern. Als Unterkunft sei die Herberge in Kerz (Cirta) empfohlen, das am Fuße der Transfogarasch-Straße liegt.


Diese Straße ist ein wahnwitziges Ceausescu-Projekt und führt bei einer Paßhöhe von 2044 m zwischen den beiden höchsten Fogarasch-Bergen hindurch. Die Straße ist zwischen den beiden Hütten Cabana Balea Cascada (1227 m) und Cabana Balea Lac (2044 m) gesperrt, woran sich allerdings kaum jemand hält. Tatsächlich kann man auch dieses baufällige Stück passieren. Eine Gewähr dafür ist allerdings nicht mehr lange gegeben.


Literatur

Zu den Reiseführern, die es auf dem Markt heutzutage gibt, sei zu sagen, daß sie für eine Reise wenig brauchbar bis unbrauchbar sind. Aus allen zusammen kann man sich Informationen zusammensuchen, die häufig aber überaltet oder einfach falsch sind. Der Wanderführer ist für einfache Wanderungen in den beschriebenen Regionen ausreichend, erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Stephan Hoffstadt/Edgar Zippel: Reiseland Rumänien, 1992, Edition Aragon

Rumänien, 1981, Grieben-Verlag GmbH, München

Henning Schwarz: Rumänische Karpaten Wanderführer, 1995, Edition Aragon

Antonia Rados: Die Verschwörung der Securitate, 1990, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg


Latest Change: Frank Kroll, Tuesday, 21-Jan-97 09:07:19 MET