"Was für Transsilvanien
die Kirchenburgen, sind für die Moldau die in der Welt einmaligen bemalten
Klosterkirchen. Die im 15./16. Jahrhundert errichteten Bauwerke stehen in engem
Zusammenhang mit Stephan dem Großen. Wegen ihrer hohen künstlerischen Qualität
sowie ihrer Einzigartigkeit wurden die Klosterkirchen von der UNESCO in das
Verzeichnis einmaliger Bauwerke aufgenommen."
(Ronny Müller, Reisehandbuch Rumänien)
Die Reise führt den Besucher in zwei abgelegene Landstriche - die Moldau und die Maramuresch, wo westliche und östliche Kultur verschmelzen. Orthodoxe, Katholiken und andere Religionsgemeinschaften leben hier friedlich miteinander. Im Grenzland zur Ukraine geht es selbst für rumänische Verhältnisse noch sehr ursprünglich zu. Ochsengespanne und Pferdefuhrwerke gehören selbstverständlich zum Straßenbild. Die Menschen leben noch im Einklang mit der Natur und ihr Brauchtum ist im Alltag lebendig. Neben den Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten erhalten die Besucher der Maramuresch bei dem gastfreundlichen Bergvolk einen Einblick, wie nach alter Tradition das orthodoxe Osterfest, das höchste Fest des Jahres, gefeiert wird. Vom Standort Barsana im Iza-Tal aus werden das neue Kloster des Ortes, welches nach alten Plänen wieder errichtet wurde und das nahe gelegne alte Kloster in Moisei, Zielort vieler Pilger, besucht. In der Moldau besticht das Kloster Moldovita aus dem Jahre 1532 durch seinen alles beherrschenden blauen Farbton und im Kloster von Sucevita überraschen auch die Abbildungen vieler Persönlichkeiten der Antike. Das an Gräbern auch geschmunzelt werden darf, zeigt der "Fröhliche Friedhof" in Sapanta mit seinen Holzgrabkreuzen, die über Ruhm und Laster Verstorbener berichten. Zeugnisse alter Volkskunst geben die Holzkirchen aus dunklem Tannenholz im Iza-Tal. Beim Backen von Osterbrot können sich die Teilnehmer von der Gastfreundschaft selbst überzeugen. Viele Gegenstände aus dem Bauernhaushalt wird man auch im Volkskundemuseum in Sighetu Maramtiei wiederentdecken. Erinnert werden muss aber auch an die Opfer der Diktatur Ceaucescus. Das ehemalige Gefängnis für politische Häftlinge, in der auch viele Geistliche umkamen, erinnert heute als Gedenkstätte an die Leiden der Menschen, die sich dem kommunistischen System widersetzten.
Reiseverlauf
Termine nach Absprache, geplant sind ca. 10-12 Tage
Unterkunft in einer Pension im traditionellen Stil
der Maramuresch in Barsana
Maximale Teilnehmerzahl 8
Leitung
Christa Schudeja, Dipl.-Rel.-Pädagogin
Kosten
Ca. 580 Euro für HP, Reiseleitung, Führung und
Eintrittsgelder, zuzüglich Fahrtkostenumlage für Minibus/ PKW
Das Geheimnis um den Ursprung der Fassadenmalerei der Moldauklöster ist noch nicht gelüftet. Jedes ist in seiner Art einzigartig. So plötzlich, wie diese Kunst um 1530 auftauchte, so plötzlich verschwand sie rund 70 Jahre später wieder. Touristen bestaunen die Malerein im "moldauischen Stil", aber die Symbolik ist nur schwer zu entschlüsseln und der Sinn der Gesänge und Rituale der Orthodoxie beleibt den meisten Besuchern verborgen.
Bei dieser Bildungsreise wird jedoch mehr als nur besichtigt. Sie erhalten einen Einblick in das Glaubensverständnis und das religiöse Leben, erfahren etwas über die Symbolik der Kirchengebäude und Ikonen. So wird den Teilnehmern nicht nur Wissen vermittelt, sondern ganz lebendig Ökumene gelebt. Nicht das Trennende, sondern das Verbindende wollen wir entdecken und voneinander lernen. Die Unterschiede finden ihre Ursache in geschichtlichen, politischen, kulturellen und geographischen Gründen.
"In diesem Kloster ins Blau der alles beherrschende
Farbton. Die gesamte Anlage ist bedeutend größer als vergleichbare Komplexe.
Erbaut wurde sie im Jahre 1532, bemalt im Jahre 1537. Ein wichtiges Thema ist
auch hier das jüngste Gericht. Überdies ist in der Klosterkirche von Moldovita
die Belagerung Konstantinopels zu sehen."
(Reisehandbuch, Ronny Müller)
"Dieses Kloster ist in einer herrlichen Landschaft
gelegen. Die eigentliche Kirche wird durch hohe Mauern mit wuchtigen Türmen und
Wehrgängen geschützt. Zahlreiche Legenden werden vom Bau des Objektes erzählt.
Die Wände sind übersät mit Hunderten von Fresken. Wichtige Themen sind in der
Nordfront die "Himmelsleiter", so wie an der Südseite der "Lebensbaum". Dort
sind zahlreiche Persönlichkeiten der Antike abgebildet, so z.B. Plato,
Pythagoras und Aristoteles. "Lobgesang" und "Schleierung" sind weitere Bildkompositionen
von Sucevita."
(Reisehandbuch, Ronny Müller)
"Paste", das Osterfest, markiert für die
Landbevölkerung den Frühlingsbeginn; es ist wohl die wichtigste Feier des
Jahres. In der Fastenzeit darf weder getanzt noch sich anderweitig vergnügt
werden. Der Auftakt zur Osterfeier bildet eine Messe, die der Erinnerung an die
Verstorbenen gewidmet ist. Der noch wichtigere Kirchgang, das heidnisch
anmutende Weihritual, wird in ganz Rumänien um Mitternacht zwischen Samstag und
Ostersonntag zelebriert: Jede Familie deponiert vor der Kirche eine mit Brot
und anderen Lebensmitteln gefüllte Tasche, entzündet eine draufgestellte Kerze.
Der Pope segnet mit einem nassen Zweiglein sowohl die mitgebrachten Esswaren,
als auch sämtliche Anwesenden."
(Die rumänischen Waldkarpaten, Schneeberger/Lange)
"Seit der Wende entstehen einige neue Holzkirchen
im klassischen Maramurescher Stil, von denen diejenigen des neu gegründeten
Klosters in Barsana besonders Beachtung verdient. Das "Manastir" (rumänisch für
Kloster) liegt am südlichen Ende der lang gestreckten Ortschaft malerisch auf
einer Erhebung am Berghang. An dieser Stelle stand schon viele Jahrhunderte
früher ein orthodoxes Kloster, erstmals schriftlich erwähnt in einem Dokument
aus dem Jahre 1390. 1786, in der Periode der massiven "Katholisierung" von
Österreich-Ungarn, musste das "Manastir Barsana" - wie die meisten Klöster der
Maramuresch - geschleift werden. Die nach 1989 entstandene Anlage besticht bis
ins kleinste Detail durch ihre traditionelle Ästhetik: den Eingang bildet
selbstverständlich ein wunderschönes, meisterhaft geschnitztes Maramuresch-Tor,
das ausgedehnte Gelände ist vollständig von einem kunstvoll ausgeführten
Holzzaum umgeben. Selbst die Wirtschaftsgebäude und das mehrstöckige Wohnhaus
der Nonnen sind ganz aus Holz und mit Schindeln gedeckt, die Wege liebevoll mit
flachen Natursteinen gepflastert."
(Die rumänischen Waldkarpaten, Schneeberger/Lange)
Das Kloster hat als einziges von zahlreichen Klöstern der Maramuresch die Epoche der magyarischen Herrschaft überstanden. An ein Massaker von 1944, bei dem über 200 Häuser in Flammen aufgingen und Dorfbewohner als vermeintliche Partisanen exekutiert worden, erinnert heute ein Skulpturenensemble des Künstlers Vida Geza.
Hier entsteht gerade ein neues Kloster an alter Stelle. Interessant ist es, den Handwerkern bei der Arbeit zuzuschauen, denn sie vermittelt einen Eindruck in alte Handwerkstechniken.
"Fast jedes Grab ist mit einem geschnitzten
buntbemalten Holzkreuz versehen, das in naiven Bildern und kleinen Versen
Szenen aus dem leben der Verstorbenen wiedergibt - der Bauer auf dem Feld, die
Mutter mit ihren Kindern; manche werden auch auf zweiteiligen Bildern in ihrem
irdischen Leben und in dem Himmlischen als Engel porträtiert. Genauso werden
die kleinen Missetaten und Laster der verblichenen gezeigt: der kleine Dieb,
die Ehebrecherin, der Säufer, der sich zu Tode säuft. Der Friedhof ist
einzigartig in Rumänien, er ist das Werk des Ion Patras, dessen Werkstatt in
der Nähe zu besichtigen ist. Vielleicht versteht man die Idee auch besser, wenn
man den alten Brauch in Sapanta kennt, nach dem Leichenschmaus die guten und
die bösen Taten des Verstorbenen auszurufen."
(Reiseland Rumänien, Aragon-Verlag)
Seit 1932 verrichtete die letzte dampfbetriebene Waldbahn Europas ihren Dienst. Diese Waldbahn unterscheidet sich total von den Bimmelbahnen, die wir in Westeuropa kennen. Hier wurde der Fahrplan von den anfallenden Holztransporten bestimmt und Touristen wurden die Arbeitswoche über nur mitgenommen. Das Wassertal wurd auf einer 60km langen Strecke durchfahren, das bedeutete Wildnis und Romantik pur! Im Juli 2008 verwüstete ein schweres Unwetter mit Überschwemmungen das Wassertal und die Waldbahn. Die Folgen waren so verheerend, dass der Betrieb eingestellt werden musste. Der Aufbau ist ungewiss.
Die Maramuresch ist ein Land des Holzes. Aus Holz entstanden und entstehen Häuser, Kirchen, Gedenkstätten und Tore, die mit Symbolen verziert sind. Die älteste Holzkirche steht in Ieud . Die älteste "Holzkirche vom Berg" wurde 1364 errichtet und ihre Malerei stammt aus dem 15.-16. Jahrhundert. Die Turmtreppe im Inneren besteht aus einem einzigen Balken, der wellenförmig eingekerbt wurde. Auf dem Dach wurde das älteste Manuskript in rumänischer Sprache entdeckt.
"Bewahrt die Bräuche der Vorfahren, behaltet sie ständig in Erinnerung. Ich meine, das sollt ihr nie vergessen." So äußerte sich Nicolas Ceasescu im Oktober 1974 bei seinem Besuch der Maramuresch. Danach ließ er ganze Dörfer platt machen oder mit Betonklötzen verunstalten. Doch von seiner Säuberungsaktion blieben die kleinsten Dörfer im Iza- und Mara-tal verschont. Das Volkskundemuseum zeigt eine Vielzahl von Handwerksarbeiten, die aber auch noch in manchen Bauerngehöften auf dem Lande zu finden sind. Selbst alte Techniken, wie das Färben von Wolle mit Naturfarben, werden noch praktiziert. Im nahe gelegenen Freilichtmuseum sind historische Holzhäuser aus dem gesamten Gebiet zu bewundern.
"Hier in Sighetu Marmatiei hat das Reich der
Habsburger düstere Spuren in Gestalt eines Gefängnisses hinterlassen. Das kalte
Bauwerk, das Kaiserin Maria Theresia für ihre siebenbürgischen Untertanen hatte
errichten lassen, wurde auch von den Kommunisten als eine der schlimmsten
Haftanstalten für politisch Gefangene genutzt. Jetzt ist dieser Ort eine
Gedenkstätte."
(Marco Polo Reiseführer Rumänien)
Das Gedenkhaus Elie Wiesel erinnert an den 1928 in Sighet geborenen und 1944 ins Konzentrationslager deportierten jüdischen Schriftsteller, der im Jahre 1986 für sein Werk den Friedensnobelpreis verliehen bekam.
Seit 2002 bereise ich regelmäßig die Maramuresch und habe dort gute Kontakte aufgebaut, vor allem mit der Landbevölkerung, dem Ensemble in Vadu Izei und dem Direktor der Museen der Maramuresch. Mein Anliegen ist es, die einzigartige Region kennen zu lernen und dem Vorurteil über das arme und unsichere Rumänien etwas entgegen zu setzen.
Christa Schudeja, Kontakt: blickwechsel@web.de
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